Karl Stirner: “ein nachruf bedingt die fähigkeit in worte fassen zu können, was einem ein verstorbener war. wenn man – wie ich- von seinem thelepatischen zwilling amputiert wurde, hat man auf diese fähigkeit keinen zugriff. man starrt fassungslos auf die riesige wunde und blutet tränen.
so fasst man also in worte, dass man all das unmöglich in worte fassen kann.
walther hat uns immer als „diametral unterschiedliche zwillinge“ bezeichnet. er wirkte philanthrop, ich misanthrop. er sagte im erstreflex „ja“, ich „nein“. er hatte daten-rettungs-software am computer installiert, ich einen daten-shredder. er merkte sich alle melodien, ich keine. (immer musste er mir die tonart der naechsten nummer ansagen).
in wirklichkeit waren wir beide beides.
diese wirklichkeit war das duo soyka_stirner.
walther hat geduldig gewartet, bis ich (die vom wienerlied multipel traumatisierte auster) aufging, und bereit war, das schenken von schoenheit als einen lebensweg zu begreifen.
einmal hat mich eine dame aus hamburg nach einem soyka_stirner gig nach unserem geheimnis gefragt. ganz im sinne walthers hab ichs ihr verraten (d. h. geschenkt) :
es war die ungelogenheit.
walther sagte einmal in gewohnt stiller wut ueber das zufrühsterben:
„achtung – fertig – aus.“
ich teile diese wut.
und die schoenheit.
und die liebe.
danke walther❤️”
Weitere Berichte zum Ableben unseres lieben Kollegen und Freundes:
https://fm4.orf.at/stories/3047021/
https://www.diepresse.com/19515015/wiener-meister-der-ziehharmonika-walther-soyka-ist-tot